KStA: "Kunst am Bau mit Graffiti verschandelt"

Eintragen am

Sprayer in der Haltestelle Piusstraße - Rasche Beseitigung der Schäden angekündigt

Die Kölner Verkehrs-Betriebe wussten nichts von der Verschandelung einer U-Bahn-Station.

VONCLEMENS SCHMINKE
"Urbane Landschaft" hat der Künstler Gerd Winner das Werk genannt, das er 1089 in der U-Bahn-Haltestelle Piusstraße in Ehrenfeld geschaffen hat. Nun ist es über vile der 192 Meter Wandlänge entstellt, weil ein oder mehrere Graffiti-Sprüher ohne Rücksicht auf Verluste vorgegangen sind.
DieU-Bahn-Station ist eine von sechs Halstestellen unter der Venloer Straße,, die künstlerisch gestaltet sind. Winners Bilder, die Malerei, Fotografie und Siebdruck vereinen, zeigen flüchtige Nachtszenen vom Picadilly Circus, vom Times Sqare, aus Tokios Vergn&umml;gungsviertel Ginza, aber auch aus Berlin und Köln. Sie ziehen sich beiden Seiten des Bahnsteiges hin und sind 2,25 Meter hoch. Dem oder den Sprayern war es offenbar gleichgültig, dass die Wände bereits mit Bildern versehen sind. Großflächig überdecken die "Tags" Teile der Aluminiumplatten, auf denen Winner Acryl aufgetragen hat.
Bei den Kölner Verkehrs-Betriben (KVB) habe man noch nicht davon gehört, dass in der U-Bahn-Haltestelle Piusstraße Sprayer am Werk aren, sagte Sprecher Joachim Berger auf Anfrage. Immer wieder gebe es Ärger wegen Graffiti auf den Fahrzeugen. "Aber dass eine Haltestelle selber so stark beeinträchtigt wird, kommt selten vor." In der Regel bemühe sich die KVB, die Graffiti rasch zu beseitigen. Im aktuellen Fall müsse man sich erst ein Bild vom Schaden machen und eventuell mit dem Künstler Kontakt aufnehmen, um zu beraten, wie der gesprühte Farbauftrag schondend beseitigt werden könne. Winner, der in Liebengurg bei Wolfenbüttel lebt und an der Akademie der bildenden Künste eine Professur für Malerei und Grafik innehat, war für eineStellungnahme nicht zu erreichen.
Ein trostloses Bild geben auch zahlreiche Haltestellen entlang der Ringstreckeab: Unbekannte haben große Teile der Wnadfliesen herausgebrochen. Beispielsweise in der U-Bahn-Haltestelle Friesenplatz. Das rief Jonathan Schreiber auf den Plan. Der arbeitslose Architekt hat, nach seinen Worten "mit Genehmigung der Stadt Köln", eine etwa vier Meter lange Wnadfläche gestaltet. Aufden rohen Beton hat er, vorgegebene Formen konturierend, halbabstrakte Figuren gemalt. Die kaputten Stellen hätten ihn zugleich "genervt" und "angeregt" zu seiner "kleinen temporären Akton", die er "stadt-Pflaster" nennt.

© KStA